Kienzlers Kolumne

Kommentare zu Alltäglichem und weniger Alltäglichem

Ballack spielt nicht Juni 29, 2008

Gespeichert unter: Konsumterror — harrykienzler @ 12:49 Uhr nachmittags
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Alle schauen gebannt dem heutigen Abend entgegen, an dem sich entscheiden wird, ob das Wechselbad der Gefühle noch einmal zur richtigen Seite umkippt oder am Ende die Spanier ihrer ewigen Geheimfavoritenrolle endlich einmal gerecht werden. Schön wäre beides, wenn man es nüchtern betrachtet. Aber wer tut das schon? Man wünscht sich eine deutsche Mannschaft als Sieger, die zwar nicht immer schön, aber meistens leidenschaftlich spielte und im übrigen im Gegensatz zu den meisten anderen Mannschaften ihre Spiele in der regulären Spielzeit zu beenden pflegte, anstatt wie sonst früher gerne dem Elfmeterschießen entgegenzumauern.

Eine Frage bringt nun noch mehr Unsicherheit ins allgemeine Nägelkauen. Michael Ballack hat Wadenprobleme und alle Welt fragt sich: Wird er spielen? Die Antwort ist: Nein! Wird er nicht! Er wird nicht spielen, er wird sich egal in welchem Zustand schreiend über das Spielfeld schleppen und zur Not mit wütendem Blick im Mittelkreis stehen bleiben. Wer soll ihn denn ersetzen? Kahn hätte man da noch spielen lassen können, einfach des mächtigen Organs wegen.

Wenn alles nichts hilft, wird man wohl nicht umhin kommen, ausnahmsweise mit zwölf Spielern anzutreten. Aber mal ehrlich: Ist Ballack nicht auch schon tausend Mal heftigst kristisiert worden? Könnte es nicht auch ein Vorteil sein, wenn die zwei Spieler, die zur Manndeckung gegen Ballack bei den Spaniern eingeteilt wurden, auf einmal keine Aufgabe mehr haben?

Lassen wir die Kaffeesatzleserei, schon allein, weil jeder Kaffee das Herz in noch größere Unruhe versetzen würde.

 

Deutschland-Türkei-Bildstörung Juni 26, 2008

Gespeichert unter: Konsumterror — harrykienzler @ 10:43 Uhr vormittags
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Wir bitten um etwas Geduld. So stand es hilflos auf dem Bildschirm. Zorn und Verzweiflung der Fußballfanmassen perlten wirkungslos am traurig statischen Bildschirmbild ab. Erst nach einiger Zeit erbarmte man sich und Bela Rethy versuchte sich als Radiomoderator, wobei er eine gewisse Begeisterung allerdings vermissen ließ. Ihm ist kein Vorwurf zu machen, er war von der Situation genauso überrascht wie alle anderen. Verpasst die Gegelegenheit, Fernsehgeschichte zu schreiben wie ehedem Günter Jauch und Marcel Reif, die die Tatsache kommentierten, dass ein Spiel nicht anfangen konnte, weil ein Tor umgefallen war. In Erinnerung bleiben wird einzig der Kommentar: “Wir haben wieder ein Bild. Es kommt vom Schweizer Fernsehen. Leider sieht das Spiel der deutschen Mannschaft im Schweizer Fernsehen genau so wie im deutschen aus.” Trocken, schön und wahr. Der Belasche Eherntreffer.

Glücklicherweise verpasste man nicht viel in der Zeit ohne Bild und kam später dann noch in den Genuss vermeintlich hellseherischer Kräfte des Moderators, der “KLose!” brüllte, als von dem noch gar nichts zu sehen war und damit das kurz darauf fallende Tor vorwegnahm. Ein schöner trockener Kommentar und eine regelrechte Prophezeiung, nicht schlecht. (mehr…)

 

Die falsche Deutschland-Flagge - Vorbote der Apokalypse Juni 23, 2008

Gespeichert unter: Konsumterror, Politik und ihre Folgen — harrykienzler @ 1:29 Uhr nachmittags
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In diversen Medien, zum Beipiel in der heutigen BILD wird heiß darüber berichtet, dass im Fernsehen eine falsche Deutschland-Flagge zu sehen war. Die Farben waren falsch angeordnet. Alle sind sich einig: So etwas hätte nicht passieren dürfen. Eine falsch angezeigte Deutschland-Flagge bedeutet nichts geringeres als das Ende der Welt.

Eines Abends wird die Deutschland-Flagge wird in falscher Anordnung im Fernsehen gezeigt. Millionen Autofahrer auf der ganzen Welt lassen ihre geliebten Vierräder made in Germany mit Tränen der Wehmut in den Augen in abgelegene Schlüchte stürzen und murmeln, die traurige Explosion untermalend: “Wenn die nicht mal ihre Fahne richtig im Fernsehen zeigen können, können die Autos erst recht nicht sicher sein.” Auf dem Oktoberfest wird kein Bier mehr ausgeschenkt, weil alle nur noch schwarz tragend der schrecklichen Scham gedenkend zu Hause vor dem Fernseher sitzen und sich Gebete sprechend immer wieder die Szene mit der falschen Fahne ansehen. Die Soldaten in Afghanistan können nun erst recht keine Ordnung mehr schaffen, weil alle, die sie sehen sofort in Gelächter ausbrechen und ihnen erklären, dass sie die falsche Fahne, also die vormals richtige, auf der Uniform trügen. Deutschland verkommt. Niemand macht mehr Kehrwoche - wozu die Straße fegen, wenn man nicht mal bei seiner Fahne Ordnung halten kann. Die Vereinten Nationen lösen sich auf, niemadn weiß mehr, ob nicht die falsche Fahne vielleicht die richtige war und Deutschland eigentlich gar nicht Deutschland, sondern ein Land, das es gar nicht gibt, das demzufolge gar nicht mitabstimmen dürfte in der Generalversammlung und sowieso macht Abstimmen keinen Sinn mehr. (mehr…)

 

Löw auf der Tribüne Juni 17, 2008

Gespeichert unter: Aus den Stromschnellen der Hirnwindungen, Konsumterror, Politik und ihre Folgen — harrykienzler @ 2:06 Uhr nachmittags
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Alle Welt rätselt: warum wurden Jogi Löw und der österreichische Trainer (dessen Name mir gerade nicht einfällt, was aber seit gestern auch keine Rolle mehr spielt) auf die Tribüne verbannt?

Jogi der stets Besonnene meinte im Interview nach dem Spiel die beiden hätten nur ihre Arbeit gemacht und den Spielern Anweisungen gegeben.

Was mögen das für abgefahrene Anweisungen gewesen sein, dass man sie auf die Tribüne verbannte?

- Hey, sag dem Schiri mal, er soll hier vorbeikommen. Ich würde ihm gerne ein paar schlagende Argumente vortragen.

- (Der österreichische Trainer) Treten sollt ihr! Was sind denn das für lächerliche Fouls? Die stehen ja nach zwei Sekunden schon wieder auf! So haben wir das aber nicht trainiert!

- Gomez runter vom Feld! Nein nicht auswechseln! Einfach nur runter! Lieber mit zehn Mann weiterspielen.

- Wie oft habe ich euch das erklärt? Nur weil jemand eine Pfeife und ein paar Karten hat, heißt das noch lange nicht, das er euch irgendwas zu sagen hätte! Ignoriert ihn einfach!

Eine weitere Frage ist natürlich, was da auf der Tribüne geredet wurde:

- Ah Frau Bundeskanzler, wir lächeln jetzt beide mal und tun so als würden wir uns mögen und nachher können sie dann eines ihrer Superstatements abgeben, das ihre Fachkenntnis in Bezug auf Fußball beweist. Ich denke, wir haben gewonnen, weil wir gut gespielt haben und die Österreicher schlecht, so was in der Art ja?

- Hey Schweini, rutsch mal, hab dich schon fast eingeholt, gegen Portugal schmeiß ich dem Schiri mein Toupet ins Gesicht, dann lieg ich nach Karten vorne.

 

The Happening Juni 12, 2008

Gespeichert unter: Essays - Eine Rubrik, die auf alles passt, Konsumterror — harrykienzler @ 10:57 Uhr vormittags
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Laut Spiegel Online soll das ein unglaublich schlechter Fim sein. Shyamalan, der Super-Regisseur von “The Sixth Sense” soll hier einen weiteren Beweis dafür liefern, dass es sich bei ihm nur um ein filmisches One-Hit-Wonder-Talent handelt, das nun unaufhaltsam dem eigenen Untergang entgegenzoomt.

Eigentlich ganz schön, mal einen Film zu sehen, der erklärtermaßen schlecht ist. Das könnte interessanter sein, als sich einen Film anzuschauen, der zwar funktioniert, aber stets die originellen Brüche vermissen lässt. Bei The Happening haben wir es dann mit einem komplizierten Trümmerbruch zu tun.

Die Kritik bemängelt, dass auch in diesem Film die stets gleichen Dinge auftauchen: Eine Kellerszene, ein Autounfall und ein Kind, an dem der verwirrte Zuschauer sich festhalten kann, um der nicht vorhandenen Handlung zu folgen.

Im Prinzip fände ich es ganz interessant, eine Serie von Filmen zu drehen, in denen ein Keller, ein Kind und ein Autounfall vorkommen. Das lässt doch Raum für allerlei Variationen: (mehr…)