Kienzlers Kolumne

Kommentare zu Alltäglichem und weniger Alltäglichem

Stilfragen Mai 5, 2008

Gespeichert unter: Essays — harrykienzler @ 1:21
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Man muss schon auch mal über den eigenen Stil ein bisschen nachdenken. Manche Leute meinen ja so ungefähr, man sollte doch gefälligst versuchen, nicht ganz so viele Füllwörter zu benutzen, zum Beispiel. Ich fühle mich davor aber doch ganz ordentlich gefeit. Ich schreibe eben so ein bisschen wie mir der Schnabel gewachsen ist und will ja gerne einfach das ungefähr wiedergeben, was so in meinem Kopf teilweise vorgeht. Da ist es eben auch so, dass meine gedanken gerne mal irgwendo ein bisschen verweilen und mehr oder weniger nichts passiert. Da setze ich dann öfters ziemlich überflüssige Wörter rein.

Man kann kürzen. Nur das Wesentliche sagen. Viel bleibt nicht übrig. Nur schlanke Gedanken:

Zumindest Redewendungen verhunze ich eher selten. Ich schreibe nie so etwas wie:

Man darf den Mund nicht zu voll nehmen, wenn einem gerade das Kotzen kommt.

oder:

Man sollte erst mal eine Nacht drüber schlafen, bevor man das Plumpsklo durch ein moderneres ersetzt.

oder:

Die Jungs von der Raumstation ISS leben ja nicht hinterm Mond.

Ich benutze Redewendungen einfach nicht.

Ich könnte sicher noch eine ganze Reihe von Fehlern aufzählen, die man beim Schreiben so machen kann, wenn ich mir mal gemerkt hätte, was ich sonst noch so falsch mache. Hab ich aber nicht. Da hilft in der Zukunft nur Selbstbeobachtung, aber die steht auf einem anderen Blatt. 

 

Philosophie Mai 3, 2008

Gespeichert unter: Essays — harrykienzler @ 11:42
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Nachdem ich nun mein Examen in Deutsch erfolgreich hinter mich gebracht habe, gilt mein letztes Semester ausschließlich der Philosophie. Auf einmal sehe ich mich wieder konfrontiert mit Namen wie Adorno, Kant und Platon. Platon ist mir bisher immer der Liebste gewesen und die Aussage eines anderen Philosophen, alle Philosphie sei doch nichts anderes als eine große Fußnote zu Platon, würde ich gerne unterschreiben. Bei Platon finden sich noch schöne Beispiele über Schuster, Töpfer und Wassersüchtige.

Später wird es schon schwerer. Kants Beispiele für Witze in der “Kritik der Urteilskraft” bereiten einem nur Kopfschmerzen oder Übelkeit. Beispiel: Ein Indianer sieht zu ersten Mal eine Flasche Bier. Sie wird geöffnet und es schäumt fürchterlich. Der Indianer sagt: Aber wie kann denn so viel in so eine kleine Flasche passen? Laut Kant ist das ein Riesenjoke. Ich verstehe bis heute nicht, was daran witzig sein soll, aber ich finde es süß, dass auch ein Philosoph mal einen Witz erzählt.

Entlegene Beispiele sind wirklich das schönste an manchen philosophischen Werken. Vor allem, wenn es sich nicht immer um den berühmten Tisch oder Stuhl handelt, der immer als Beispiel herhalten muss. Ich habe mal gehört, Husserl habe immer einen Baum als Beispiel genommen, weil der vor seinem Bürofenster stand.

Tolle Beispiele finden sich auch bei Burke zum Thema Schönheit. Schön ist laut ihm wenn man alles zusammen nimmt, glaube ich, ein vergoldeter Vogel aus Watte, leicht, glänzend und klein. Großes kann nämlich laut Burke nicht schön sein. Das sollte man mal einigen Leuten sagen, vielleicht müsste man dann nicht immer diese nervigen Riesenwerbetafeln irgendwo sehen.

Also, wenn ihr wirklich Spaß haben wollt mit Philosophie, vergesst die großen Theorien, haltet euch an die Beispiele.

 

Japanische Straßenmusikanten April 27, 2008

Gespeichert unter: Essays, Geschichten — harrykienzler @ 1:00
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Heute durfte ich Zeuge eines ungewöhnlichen Schauspiels werden, das mich auf ganz besondere Art und Weise mit der Kunst versöhnte. Auf der Brücke, die über den Fluss führt, der das kleine Studentenstädtchen, das ich bewohne, so fotogen zu teilen weiß, spielte eine Straßenmusikantin anmutige Weisen. Wer nun schon gähnend weitergeklickt hat, verpasst aber den entscheidenden Aspekt der ganzen Geschichte:

Es handelte sich nicht etwa um eine versprengte Indianerin oder eine exhumierte Hippiebraut. Nein, die schwäbische Sonntagnachmittagseinöde wurde durchbrochen vom ausdauernden Spiel einer Japanerin. Wie gerade eben erst einem Kung-Fu-Film entsprungen stand sie da im Kimono, zupfte auf diesem kleinen Saiteninstrument, dessen Namen ich nicht kenne und hauchte den bekannten asiatischen Singsang in die pollenverteilenden Frühlingslüftchen. (mehr…)

 

Filme nachdrehen April 20, 2008

Ich habe “Abgedreht” ja leider nicht sehen können, weil ich in der cineastischen Provinz lebe, deshalb habe ich mir selber ein paar Gedanken gemacht, wie man bekannte Filme nachdrehen könnte.

“King Kong” - Onkel Manfred einfach mal ohne Bademantel die Straße runterlaufen lassen, von der Körperbehaarung her müsste es ungefähr hinkommen.

“Casablanca”  - Ich wollte schon immer mal zu einem DJ sagen: “Ich hatte doch gesagt, du sollst dieses Lied nie mehr spielen.”

“Star Wars” -  bei mir wären die Jedi-Ritter noch cooler: Sie könnten inzwischen so gut mit der “Macht” umgehen, dass sie ihre Kämpfe nur noch telepathisch austragen und sich auf zwei Stühlen grübelnd gegenüber sitzen.

“Matrix” - bei mir würde Neo die andere Pille schlucken und so weiterleben wie bisher.

“Ratatouille” - Mit echten Ratten. Einfach im Hausgang gefangen und dann vor laufender Kamera genüßlich verspeist.

“Basic Instinct” - im Sinne des Titels - ohne störende Handlung.

“Und täglich grüßt das Murmeltier” - Ein Murmeltier und ein Kalender -  mehr brauchs nicht.

“Das Boot” - ein Urlaubsvideo.

“Der Pate” - so eine Taufe kann ganz schön spannend sein.

Man könnte auch zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, z. B. gleichzeitig “Der Marathon Mann” und “Außer Atem” drehen.

“Stirb langsam” ist doch eigentlich auch nur ein Alternativtitel für “Das Meer in mir”.

Ich geh jetzt raus und genieße das schöne Wetter -  wenn ich mich dabei flme kommt wohl automatisch eine neue Version von “Das Böse unter der Sonne zustande.

 

Marilyn-Monroe-Sextape April 15, 2008

Gespeichert unter: Essays, Gedanken, Geschichten — harrykienzler @ 12:33
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Angeblich ist jetzt ein Video aufgetaucht, das Marilyn Monroe und John F. Kennedy beim Sex zeigen soll. Der alte FBI-Chef Hoover wollte das wohl gegen JFK verwenden. Da klingeln natürlich bei jedem Hobby-Verschwörungstheoretiker sofort sämtliche Alarmglocken: JFK? Marilyn? Hoover? FBI? Sofort sprießen die wildesten Assoziationen: Wurde JFK vielleicht doch von er CIA ermordet? Aus Eifersucht? Wäre das nicht ein Motiv, das Hoover zum Verdächtigen macht?

Erinnern wir uns: Hoover hat so ziemlich alles und jeden beschatten lassen. Warum eigentlich? Vordergründig, um irgendwelche Kommunisten zu fassen und Agenten zu enttarnen oder so. Jetzt sieht die Sache doch ganz anders aus: Hoover war eifersüchtig. Auf alles und jeden. Der Mann wollte einfach geliebt werden. Von allen. Das Problem war nur, dass alle anderen jemand anderen liebten. So saß also Hoover vor dem flimmernden Bildschirm und sah sich immer und immer wieder dieses Sex-Tape an und weinte dabei. Er musste sich rächen an den anderen, die ihn nicht liebten. Aber wie? Wie sich an allen anderen rächen? Ganz einfach: Indem man den obersten Repräsentanten der anderen umbringt. So erklärt sich nun endlich das Attentat auf JFK.

Marilyn brachte sich ja dann später um, als sie von Hoover selbst erfuhr, dass er den Weg freigemacht hatte für ihre Liebe.

Zur Sicherheit brachte man dann auch noch Robert Kennedy um, damit er nich auch noch auf die Idee kam, was mit Marily anzufangen.

Witze über den Tod sind meistens schlecht, aber wir müssen der Wahrheit ins Auge sehen: Auch der Chef des FBI hatte eben Gefühle.

Merke: Die beste Verschwörungstheorie ist immer die, die annimmt, dass auch die Verschwörer selbst Anhänger einer Verschwörungstheorie sind.