Kienzlers Kolumne

Kommentare zu Alltäglichem und weniger Alltäglichem

Der alte Mann und das Ofenrohr Oktober 31, 2007

Gespeichert unter: Geschichten — harrykienzler @ 12:43

Gestern hetzte ich gerade den immer wieder verblüffend langen Weg von mir zu Hause zum Bahnhof, um nach Stuttgart zur Premiere unserer Lesebühne “7 PS - Eurythmie und Marschmusik” im Schlesinger  zu fahren, als ein alter vollbärtiger Mann sich mit hilfesuchendem Blick an mich wandte. “Entschuldigen Sie”, sagte er, um dann ganz selbstverständlich fortzufahren: “Es geht mir um eine Ofenrohr.”

Dieser recht merkwürdige Satz riss mich jäh, wenn auch nur für zwei Millisekunden, aus meinen um verpasste Züge und beginnende Schriftstellerkarrieren kreisenden Gedanken. Welch simple und dirkete Formulierung, wobei dieser Satz doch einigen Spielraum für Spekulationen offen ließ: “Es geht mir um ein Ofenrohr.” hieß das: “Hätten Sie mir mal ein Ofenrohr?” oder: “Manche reden über Gott, andere über den Weltfrieden, ich finde, wir sollten uns mal über Ofenrohre unterhalten.”?
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Hier Bundesliga Oktober 29, 2007

Gespeichert unter: Geschichten, Konsumterror — harrykienzler @ 10:43

Neulich lief ich an einer Kneipe vorbei. Schon das ist etwas Besonderes, weil ich normalerweise nicht an Kneipen vorbei, sondern direkt in sie reinlaufe, aber das, was meine Aufmerksamkeit noch mehr zu fesseln vermochte, war ein Schild, eine Tafel vielmehr, auf die jemand mit Kreide folgende Botschaft für Passanten hinterlassen hatte: “Hier Bundesliga”. Aufgrund der recht einfachen Formulierung und weil ich selber auch ab und an Fußball gucke, blieb ich ein Weilchen sinnierend vor dem Täfelchen stehen.

“Hier Bundesliga” stand da, nicht etwa: “Hier werden Bundesligaspiele gezeigt” oder ganz werbewirksam: “Sie wollen die Bundesliga sehen? Dann sind Sie bei uns genau richtig!”. Nein, da stand einfach “Hier Bundesliga” Werbetexter würden arbeitslos, wenn alle so für ihre Produkten werben würden: Man stelle sich vor: “Hier Einkaufen” oder “Hier Fast Food” oder sozusagen als Gipfel der neuen sparsamen Ausdrucksweise: “Hier gutes Fast Food”, ja warum hatte der nette Tafelschreiber nicht doch ein bisschen sein Talent für Werbung entdeckt und geschrieben: “Hier gute Bundesliga”? Tja, das kann man natürlich nicht versprechen, dass die Spiele, die man da zeigt, auch gut sind. (mehr…)

 

Ich hasse meine Brille Oktober 28, 2007

Gespeichert unter: Essays, Gedanken — harrykienzler @ 12:08

Manchmal sehe ich nicht so gut. Ich bin ja Brillenträger und ich habe Folgendes festgestellt: An manchen Tagen sehe ich schlechter als an anderen. Verrückt, da geht man zum Augenarzt und der sagt dann: Ja, ihre Stärke ist genau 2,0 oder so und man holt sich die entsprechende Brille zu diesen Werten, also idealerweise eine deren Gläser genau die selben Werte haben und trotzdem gibt es Tage, da sieht man nicht gut. Wobei das mit der Exaktheit beim Augenarzt natürlich Quatsch ist, oft hat man eher den Eindruck, es wäre eine Art Glücksspiel, wennn man da sitzt und er irgendwelche Gläser hin- und herschiebt und fragt: So besser oder so besser? Das tollste ist dann immer, wenn man sagt: Keins von beiden! Da schafft man es sogar den desinteressierten Augenarzt kurz zu irritieren, der wahrscheinlich lieber seltene Knoten mit Laser aus dem Auge lasern würde oder ganz was anderes machen, was mit medizin nichts zu tun hat, Käfer sammeln oder Computer spielen.

Oft ist auch nicht die Stärke das Problem, sondern das Brillengestell, das sitzt dann den ganzen Tag einfach nicht richtig auf der Nase und man schiebt es hin und her und hoch und runter und sieht dabei wahrscheinlich auch noch völlig bescheuert aus, weil man dann auch noch anfängt diese unmöglichen Grimassen zu schneiden, die Leute machen, die gerade erst eine Brille bekommen haben und versuchen die Position des Gestells allein mit den mächtigen Bewegungen ihrer Gesichtsmuskeln zu verschieben. (mehr…)

 

Heute Nacht wird wieder an der Uhr gedreht Oktober 27, 2007

Gespeichert unter: Gedanken — harrykienzler @ 2:17

Die Winterzeit ist nah. Die gute Stiefschwester der Sommerzeit. Nächste Nacht bekommen wir alle eine Stunde geschenkt, wobei man der Gerechtigkeit halber bemerken muss, dass man uns diese Stunde vor einem halben Jahr gestohlen hat. Irgendwie ist das wie Fasten, man hungert, um sich dann mal wieder so richtig über ein tolles Essen zu freuen. Vielleicht sollte man das auch mit anderen Sachen so machen, einfach mal einen Tag lang nichts sehen und sich dann um so mehr freuen, wenn man es dann wieder machen kann. Warum eigentlich nicht mal eine ganze Nacht durchwachen, um sich dann um so mehr auf sein Bett zu freuen? Ach so, gibts ja schon: Nennt man “Durchmachen”, wenn man jung ist und wenn man älter ist nennt man es “Doppelschichten” und dann “Nachwuchs”…

Also irgendwie ist das kein so ergiebiges Thema, schon bescheuert, sich über eine Stunde so viele Gedanken zu machen. Was passiert schon in einer Stunde? Oft passiert gar nichts, als Student wartet man auch oft einfach eine Stunde, bis man zum Dozenten in die Sprechstunde darf. Manchmal wird man auch von einem Auto überfahren, das braucht nicht mal eine Stunde, in einer Stunde könnte man sogar von 20 Autos überfahren werden. (mehr…)

 

Gute Gespräche Oktober 26, 2007

Gespeichert unter: Gedanken — harrykienzler @ 2:35

Ist doch verrückt. Da hat man schlechte Laune und suhlt sich darin wie ein trächtiges Warzenschwein und jammert vor sich hin, was man alles nicht auf die Reihe bekommt und dann spricht man mal einen Abend mit einem guten Freund und schon sieht alles wieder ganz anders aus. Von einem Tag auf den andern arbeitet man wieder fröhlich und beschwingt, erledigt zehn Sachen gleichzeitig und noch fünf nebenher und findet einfach alles toll. Das kann einem keine Industrie verkaufen, keine Software ausspucken… Menschen sind schon was tolles, muss selbst ich dann als Hobbymisanthrop schmunzelnd zugeben. Vielleicht sollte ich mehr mit Menschen zu tun haben und weniger mit irgendwelchen Funktionsträgern und Bildschirmen und so weiter… Aber so einfach ist das gar nicht, es geht ja nicht um irgendwelche Menschen, die es nur ein oder zwei mal auf der Welt gibt, aber kann mir egal sein, ich hab sie ja schon gefunden, haha! Da kann mir der Mann, der mir den wichtigen Stempel verweigern will, zehn Mal so grimmig wie eine Bulldogge ins gesicht schauen, meine positive Ausstrahlung wird ihn binnen kürzester Zeit in eine kleine stupsnasige Marzipanmaus verwandeln, die Luftballons verkauft und wenn nicht, ist es mir auch egal…

Ich bin so gut gelaunt,

wenn es regnet, bleibt immer so ein kleines feld um mich herum frei, in dem die Sonne scheint.

Ich bin so gut gelaunt,

wenn die GEZ vorbeikommt schau ich mir mit denen zusammen die Sendung mit der Maus im Fernsehen an und dann servier ich Ihnen ein paar Kekse, da kriegen die so gute Laune von, die interessieren sich gar nicht mehr für mein Geld.

Ich hab so gute Laune,

wenn ich mit dem falschen Fuß zuerst aufstehe, sage ich Nobody is perfect und außerdem ist das ja mal eine schöne Abwechslung, wenn man nicht immer mit dem gleichen Fuß zuerst aufsteht.

Ich bin so gut gelaunt,

alle schlecht gelaunten Menschen hassen mich! Aber nur so lange, bis sich sie mit meiner guten Laune angesteckt habe.

Ich bin so gut gelaunt,

ich gehe jetzt raus und sag der Welt guten Tag und dann geh ich mit ihr ein Eis essen.