Kienzlers Kolumne

Kommentare zu Alltäglichem und weniger Alltäglichem

Gescheiterter Versuch, eine Collage zu schreiben September 29, 2007

Gespeichert unter: Collagen, Gedichte — harrykienzler @ 12:30

Das Waschbecken könnte man auch mal wieder sauber machen.

“Stoiber konnte bei seiner letzten Rede noch mal alle Register ziehen und mancher realisierte erst jetzt, dass seine Nachfolger vielleicht nur die Vollstrecker eines Testaments sein werden, das auch sie bald wieder in der Versenkung verschwinden lassen wird”

Scheiße, kein Zucker mehr da.

Das Spülmittel - die zehnte Kopie von Palmolive.

Ich muss noch ein Buch über Diskurstheorie auftreiben.

(Presslufthammer hämmert)

Schade, dass gerade kein Werbeanruf kommt, ich würde gerne mal wieder jemand anschreien.

So aha, heute tragen wir mal wieder eine annehmbare Kombination aus durchschnittlichen Klamotten und einem fertigen Gesicht.

Altpapierabholung: 17.5.; 13. 8.; 27. 10. …

(Geräusch von Autos, die von genervten Einkäufern durch die Gegend geflucht werden)

Soll ich den jetzt grüßen?

Grün.

In diesem Haus kamen zwei Feuerwehrleute ums Leben.

Scheißradfahrer!

Vorsicht Hochspannung!

Rauchende Psychologiestudenten

Schwäne

Der Gehweg hier ist über Nacht auch nicht breiter geworden.

Zwei Schüler melden sich bei der Fahrschule an.

Ich brauch neue Schuhe.

Nr. 4, Richtung: …

Das waren noch Zeiten, als ich selber zum Waschsalon musste

 

Früh aufstehen September 28, 2007

Gespeichert unter: Gedichte — harrykienzler @ 11:39

Früh aufstehen ist so schrecklich!

Wenn ich früh aufstehe,

habe ich immer so tiefe Schatten unter den Augen, dass jeder Raum, den ich betrete sofort ganz dunkel wird, so tiefe Schatten, dass man dort das ganze Schattenreich unterbringen könnte und nebendran noch eine Plantage mit Nachtschattengewächsen anlegen könnte.

Wenn ich frühg aufstehe,

dann habe ich so schlechte Laune, dass sogar meine Zeitung Angst vor mir hat und sich so zusammenfaltet, dass man nur die ganz harmlosen Nachrichten lesen kann, so schlechte Laune, dass inzwischen ein Warnschild am Stadtrand hängt, dass man am Morgen besser nicht in meine Nähe kommt, sondern am Stadtrand stehen bleibt, bis sich das Schlimmste gelegt hat.

Wenn ich früh aufstehe,

dann ist mein Gesicht immer so verquolllen, dass ich im Auto keinen Airbag brauche.

Wenn ich für aufstehe,

dann stehe ich nicht mit dem falschen Fuß zuerst auf, sondern mit dem falschen Körper.

Wenn ich früh aufstehe,

dann trauen sich nicht mal die Vögel zu singen.

Wenn ich früh aufstehe, dann können alle anderen eigentlich gleich wieder ins Bett gehen.

Wenn ich früh aufstehe,

geht die Welt unter.

 

Terroristen mit Kisten September 27, 2007

Gespeichert unter: Essays, Gedanken, Geschichten — harrykienzler @ 9:26

Gestern schlappte ich unbeschwert durch unser schnuckeliges Bahnhofsgebäude, bis mein Blick so im Vorbeigehen auf einen seltsam gewandeten Brillenträger viel. Er trug ein Rüschenhemd, darüber ein schwarzes Jackett dessen Aufschläge an die Mode des vorvorletzten Jahrhunderts gemahnten, eine ältliche runde Nickelbrille, gut gekämmtes glattes blondes Haar und vor allem auf seinen mageren Knien eine Art Kiste, die mit einem Tuch bedeckt war. Ich starrte ihn ein paar Minuten an und er starrte zurück, weil er sich wohl wunderte, dass ich ihn anstarrte, was mich wiederum in Verwunderung über sein Starren versetzte und wenn ich Besonnener die Situation nicht mit einem souveränen Abgang beendet hätte, wäre vielleicht noch Wunder weiß was passiert. Am Ende hätte der Mann mit der Kiste mich noch gefragt: Was starrst n du so? und ich geantwortet: Entschuldigung, sie sehen einfach so seltsam aus! und er hätte treffenderweise pariert: Selber! und dann wäre es für den Tag mal wieder vorbei gewesen mit meinem mühsam aufgepäppelten Selbstbewusstsein. So blieb mir auf meiner Flucht nur die Spekulation über den Charakter, der sich hinter dieser komischen Figur verbarg und vor allem eine Frage: Was war das für eine komische Kiste unter dem Tuch? Eine Bombe? Damit müsste man rechnen, wird uns doch Tag für Tag von sinistren Ministern gepredigt, dass gerade an Bahnhöfen die Gefahr eines Anschlags allgegenwärtig ist. Doch nach längerem Überlegen, kam mir der Verdacht, dass ein Mann mit Brille einen etwas ausgeklügelteren Plan verfolgen könnte: Unter dem Tuch war das, was man auch harmloserweise darunter vermuten könnte: Ein Vogelkäfig! Und welche Gefahr pflegen Vögel seit einigen Jahren wie eine tickende Bombe in sich zu tragen: Vogelgrippe! Das Rüschenhemdchen wollte die Vogelgrippe verbreiten und die Menschen das Virus vom Bahnhof aus in alle Welt verbreiten lassen und wahrscheinlich war er selber sogar dagegen geimpft! So ging ich, die nahende Katastrophe vor Augen, in den nächsten Imbiss, weil ich dachte, wenn mich schon jemand vergiftet, dann wil ich das wenigstens selber sein.

 

Moral September 26, 2007

Gespeichert unter: Gedichte — harrykienzler @ 9:59

Trifft der schlechte Mensch den Tod,

wünscht auch er dessen Verbot.

So its’s bestellt mit der Moral,

meistens ist sie uns egal,

nur wenn wir selbst vom Leid betroffen,

sind wir für Ethik wieder offen.

Fragt sich, ob der Gute leidet

und sich nur deshalb gut entscheidet

und der Schlechte Böses wählt,

weil ihm Gutes noch nicht fehlt.

Würde wohl der Gute schlecht,

wenn man ihm etwas Gutes brächt?

Und der Schlechte fortan gut,

wenn man ihm etwas Schlechtes tut?

Doch steht der gute Mensch im Stau,

wird auch er zur wilden Sau.

So ist wohl auch der Gute gut,

weil man ihm stets nur Gutes tut.

So bleibt wohl eines nur zum Schluss:

Dass es wohl allen gut gehen muss! 

 

Self Promotion September 24, 2007

Gespeichert unter: Geschichten — harrykienzler @ 2:09

Neulich in meinem Kopf:

Ich hatte gerade eine empfindliche Niederlage erlitten und in der Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit spielte sich folgende Diskussion ab:

- Ich bin der Meinung, wir sollten unserem bisherigen Image treu bleiben. Wir verkaufen uns als nettes kleines Unternehmen, das zwar nicht immer alles hinbekommt, aber dafür grundsätzlich für eine positive Stimmung sorgt. Ich würde keinen Zentimeter abweichen von unserer Kampagne: Wir lächeln immer und gerade dann, wenn unser Gegenüber es nicht verdient hat.

- Ja und wie konsolidieren wir jetzt den Rückschlag?

- Wir fahren die Hide-The-Pain-Strategie!

- Ja, wir fressen es in uns rein!

- Ich weiß nicht, sollten wir nicht besser jetzt reinen Tisch machen und alle Karten auf den Tisch legen, bevor es jemand rauskriegt und uns nachher für unglaubwürdig hält?

- Ja und wie soll das gehen? (mehr…)