Kienzlers Kolumne

Kommentare zu Alltäglichem und weniger Alltäglichem

Am Scheideweg Juli 30, 2007

Gespeichert unter: Gedichte — harrykienzler @ 10:46

Stehst du am Scheideweg des Lebens und fragst dich nach dem nächsten Schritt,

nimm alle Kraft des Vorwärtsstrebens in alle weitern Schritte mit!

Schau nicht zurück und frage bang, was du nun alles wohl verlörst,

weil du so nur mit alten Angeln den neuen leichten Gang dir störst.

Sieh vorwärts, blick dem Ungewissen grimmig fordernd ins Gesicht,

bis seine unbewegte Maske dir lächelnd Wahrheit schenkend bricht.

Schwimme dann vor Freude trunken auf des Erfolges hohen Wellen,

lass deine Aktien ohne Zutun senkrecht in die Höhe schnellen!

So weit mein Rat, so meine Lehre von des Lebens geradem Weg.

Mit diesem Wissen in der Birne meisterst du den schmalsten Steg!

Nur eine klitzekleine Sache dir zu raten, muss ich meiden:

Welchen Weg du wählst von beiden, musst du selber noch entscheiden.

 

Unbekannter Anrufer Juli 26, 2007

Gespeichert unter: Geschichten, Konsumterror — harrykienzler @ 2:39

Mich hat heute mal wieder mein Handyanbieter angerufen. Vier Mal im Abstand von einer Stunde. Beim fünften Mal bin ich dann rangegangen. Es kam das übliche: Nachdem ich laut und deutlich meinen Namen sagte, folgte nach einigem Nachdenken die Frage: “Ja bin ich da richtig bei Herrn Harald Kienzler?” Ich weiß bis heute nicht, was ich da eigentlich antworten sollte, vielleicht: “Haha, nein, natürlich nicht, ich melde mich immer so aus Spaß, aber in Wirklichkeit heiße ich ganz anders!  Mein Name beginnt mit einem X und wenn sie den rest des Vornamens rauskriegen, schicke ich Ihnen meinen Biomüll von der letzten Woche! Na, was ist, antworten Sie, es ist so einfach!” Aber zu so einer Antwort meinerseits kam es wie gewöhnlich nicht. Stattdessen folgte der übliche Redeschwall, der wohl vor allem Verwirrung stiften soll, bis man zähneklappernd nu noch : Ja, Ja stammelt, egal was man gefragt wird. Wahrscheinlich haben die da einem Psychologen viel Geld für diese Idee gezahlt. Irgendwann habe ich dann rausgekriegt, dass es um Internet geht, das ich irgendwie jetzt noch besser auf meinem Handy empfangen kann, ich hab dann einfach aufgelegt, anstatt noch langatmig zu erklären, dass es da so ganz tolle Riesengeräte gibt mit richtig großen Bildschirmen und großer Tastatur, mit denen man schon seit Jahren problemlos ins Internet kommt, aber es muss ja nicht jeder jeden vollquatschen, oder vollschreiben, so wie hier…

 

Man sollte mal einen Roman schreiben Juli 24, 2007

Gespeichert unter: Gedichte — harrykienzler @ 4:18

Man sollte mal einen Roman schreiben

zum Angeben

zum Draufsetzen

zum Schatten werfen

einen Roman,

der in einem Kiosk spielt,

in dem ein Hund lebt,

der den ganzen Tag Karten spielt

mit sich selber

man sollte mal einen Roman schreiben

damit mal was los ist im Leben

damit man auch nach Berlin ziehen und wichtig sein kann

damit man graue Hemden tragen darf

man sollte keinen Roman schreiben, wenn man

krank ist

oder blöd

oder intellektuell

Man sollte mal selber Spargel ernten!

 

Ein altes Foto Juli 23, 2007

Gespeichert unter: Gedichte — harrykienzler @ 11:39

Ich verlor fast den Verstand,

als ich ein altes Foto fand.

Da war sie wieder bunt und breit,

die furchtbare Vergangenheit!

Es hängt nun in der Galerie

der nächsten Abfalldeponie.

 

Paranoia Juli 20, 2007

Gespeichert unter: Geschichten — harrykienzler @ 7:39

Ich lieg gestern nacht so im Bett und fass mir beiläufig an den Oberarm, wie man sich halt nachts im Bett so beiläufig irgendwo hinfasst, und mich packt das nackte Grausen! Ich ertaste nicht etwa babyweiche Haut, sondern einen seltsam abstehenden harten Vorsprung. Was ist das? Verhärteter Schleim? Grind? Das Überbleibsel der versuche, die Aliens nachts heimlich an mir durchführen? Hab ich Krebs? Mit pochendem Herzen und wackligen Knien wanke ich durch mein Zimmer, knipse das Licht an, will gar nicht hinschauen, doch dann wage ich den Blick ins hässliche Gesicht der erbarmungslosen Wahrheit: Ein Preisschild. An meinem Oberarm hängt ein Preisschild, wahrscheinlich aus einem neuen T-Shirt oder so.

Oder ist es am Ende das Preisschlid, das man mir auf dem Sklavenmarkt in der vierten Dimension angehängt hat, auf dem ich in meiner Parallelexistenz darum bete, von einem Tentakelwesen ersteigert zu werden, das mich nur putzen lässt, anstatt auch Liebesdienste von mir zu verlangen?

Ich kann nicht mehr weiterschreiben, hab da gerade was auf meiner Nasenspitze ausgemacht, könnte ein Melanom sein, oder eine 23, oder ein Melanom in Form einer 23….